Bahn fahren, Nerven sparen?

Bahn fahren, Nerven sparen. So lautete einst der Werbeslogan der Österreichischen Bundesbahnen. Dass dieser Spruch auch auf die Deutsche Bahn zutreffen könnte, darf zumindest angezweifelt werden.



Wie jüngsten Medienberichten zu entnehmen war, kann man sich auf die bisher sprichwörtliche Pünktlichkeit der Deutschen Bahn nicht mehr verlassen. Eine empirische Untersuchung – von mir höchstpersönlich durchgeführt – konnte die Berichterstattung leider nicht widerlegen.

Feldstudie 1: Nachtzug von Wien nach München mit Anschlusszug nach Mannheim.
Der Nachtzug, der in Salzburg einen gefühlten zwei Stunden langen Zwischenstopp einhielt, kam in München mit 10 Minuten Verspätung an. Leider konnte der Schaffner auch mithilfe des Zugtelefons nicht veranlassen, dass der Anschlusszug zwei Minuten auf mich und andere Reisende wartete. In München angekommen konnte ich den ICE zwar durch einen Olympiareifen Sprint gerade noch erreichen. Jedoch nur, um den Türöffner zu berühren und dann dem losfahrenden Zug hinterher sehen zu müssen. Zum Glück zeigte mein Kunde, den ich an diesem Tag besuchte, für meine Verspätung Verständnis. Ob er womöglich auch schon öfter Bahn gefahren ist?

Feldstudie 2: Rückreise von Mannheim nach Wien, wobei theoretisch verschiedene Verbindungsvarianten zur Verfügung standen.
Beim Betreten des Mannheimer Bahnhofs musste ich etwas verunsichert feststellen, dass bei allen relevanten ICEs mit grösseren Verzögerungen zu rechnen war. Mit einer Verspätung von rund einer Stunde ging es endlich Richtung München los. Auf meinem anfänglichen Stehplatz (der Zug war zum Bersten voll) erfuhr ich von der Schaffnerin, dass ich den letzten Anschlusszug von München nach Wien wohl um rund fünf Minuten verpassen werde. So war es dann auch.

Feldstudie 3: Letzte Chance – Nachtzug von München nach Wien.
Nach langem hin und her wurde mir am Service Point der DB in München zugesichert, dass ich mit dem Nachtzug um 23.45 Uhr nach Wien fahren könnte und so immerhin am nächsten Morgen (Samstag um 6 Uhr) zuhause wäre. Zwar könnte man mir zu diesem Zeitpunkt keine Reservierung mehr buchen, aber nach mehrmaligem Nachfragen sicherte man mir zu, dass mehrere Schlafwagenplätze frei wären. Ich bräuchte nur zum Schaffner zu gehen, ihm den Vermerk auf der Rückseite meiner Karte zeigen und ich könnte in jedem Fall kostenlos in einem Schlafabteil schlafen. Nach dieser Zusicherung entschied ich mich gegen die Möglichkeit, auf Kosten der DB in einem Hotel in München zu schlafen und so erst am nächsten Tag nach Wien zu fahren.

Ende Gut, alles Gut? Ich liege jetzt in meinem Schlafwagenabteil und schreibe diesen Artikel. Erwähnen möchte ich aber doch, dass ich im Zug noch zirka eine halbe Stunde diskutieren musste und schliesslich EUR 35,- für das Schlafwagenabteil aufzuzahlen hatte. “Freilich könnte ich versuchen, das Geld bei der DB auf ‘Kulanz’ zurückzufordern”, meinte die Schaffnerin (auch wenn ich glaube, dass das Wort „Kulanz” in diesem Fall mehr als Fehl am Platz war). Da es in München bereits schneite, hoffe ich nur, dass der Zug jetzt nicht auch noch irgendwo am Weg nach Wien im Schnee stecken bleibt…

Und die Moral von der Geschicht: Bahnfahren schont die Nerven nicht! Also das nächste mal doch wieder auf Slogans wie „Service is our success” (Austrian Airlines) oder „There’s no better way to fly” (Lufthansa) vertrauen?;-)

1 reply
  1. Elisabeth Pechböck says:

    Die Deutsche Bahn verspricht doch auf ihrer Homepage Geschäftsreisenden und Firmenkunden:
    Ihre Zeit ist kostbar. Im angenehmen Ambiente unserer modernen Züge können Sie die Fahrzeit sinnvoll zum Arbeiten oder einfach nur zum Entspannen nutzen. Somit ist Ihre Geschäftsreise mit der Bahn häufig nicht nur die kostengünstigste, sondern auch die komfortabelste Alternative.
    Quelle: http://www.bahn.de/p/view/home/business/business.shtml

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