Internet verantwortlich für United Airlines Absturz

Einen Absturz der ganz anderen Art musste die Fluglinie United Airlines am Wochenende verkraften: eine Verkettung unglücklicher Umstände sorgte dafür dass der Aktienkurs innerhalb kürzester Zeit um drei Viertel seines ursprünglichen Wertes nachgab.



Am Anfang der Ereigniskette stand ein Artikel der Zeitung “South Florida Sun Sentinel” aus dem Jahr 2002. Zu diesem Zeitpunkt stand die Airline kurz vor dem Konkurs und die Zeitung berichtete darüber. Über sechs Jahre lang stand der Bericht wie viele andere relativ unbeachtet im Archiv.  Am Wochenende schaffte es dieser Artikel aufgrund der Leserzahlen in die “Popular Business Stories: Most Viewed” Kategorie des Sentinels.

Google entdeckte diesen “neuen” Eintrag und nahm ihn bei Google News auf. Dort fanden sich viele Leser, die übersahen, dass der Artikel bereits seit Jahren nicht mehr aktuell  war – schliesslich erwarteten sie, von Google Neuigkeiten präsentiert zu bekommen.

Verhängnisvoll war die Tatsache, dass eine in Florida ansässige Investmentfirma das Datum des Artikels ebenfalls nicht beachtete und eine Zusammenfassung des Artikels im Bloomberg Netzwerk postete. Von dort aus erreichte die die Geschichte tausende Broker und Investment Manager. Diese veräusserten in Folge panikartig UA Aktien was zu massiven Kursverlusten führte. Bevor die Börsenaufsicht den Handel mit United Airlines Wertpapieren aussetzte, lag der Preis einer Aktie bei drei Dollar – nach einem Kurs von zwölf Dollar wenige Stunden zuvor.

Diese Geschichte zeigt wieder mal dass man sich nicht auf alles verlassen sollte, was man so aufgetischt bekommt. Nur weil der ursprüngliche Artikel von Google News gefunden wurde und vom vermeintlich seriösen und vertrauenswürdigen Bloomberg Service verbreitet wurde, verzichteten viele darauf die Tatsachen genauer zu überprüfen. Sämtliche Meldungen enthielten Quellenangaben über die man auf den ursprünglichen Artikel beim Sentinel gelangt wäre – beim Durchlesen wäre man zwangsläufig auf den “letzten aktuellen” Aktienkurs von unter einem Dollar (tatsächlich lag der zuletzt wie erwähnt bei etwa zwölf Dollar) oder die Kommentar zu dem Artikel aus dem Jahr 2002 gestossen.

3 replies
  1. Thomas Bauer says:

    martin, martin … man merkt, dass du wieder in der schweiz warst 🙂
    auf österreichisch/deutsch würde es eigentlich heissen:
    “gut, dass wir nicht an der börse sind”

  2. Rudolf Kuglitsch says:

    spannend, spannend! da kann man nur hoffen, dass nicht von uns auch so einen artikel irgendwo in den archiven schlummert?;-)

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